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Ratgeber

Fotodokumentation bei der Räumung

Vor der ersten Kiste und nach dem letzten Weg entstehen Bilder. Sie halten den Zustand fest und ersparen später die Diskussion darüber.

Warum wir fotografieren

Eine Räumung verändert einen Raum vollständig, und danach kann niemand mehr nachvollziehen, wie er vorher ausgesehen hat. Genau daraus entstehen Konflikte: über einen Kratzer im Parkett, über einen Schaden, der schon da war, oder über ein Möbelstück, das angeblich fehlt.

Fotos beenden diese Diskussion, bevor sie beginnt. Für Sie, für uns und für alle, die später etwas belegen müssen.

Was vor der Räumung fotografiert wird

Jeder Raum aus zwei Richtungen, dazu Boden, Wände, Türblätter und Fenstergriffe. Vorhandene Schäden werden einzeln aufgenommen, ebenso Zählerstände von Strom und Gas. Auffällige Stücke, etwa ein Tresor oder ein Klavier, bekommen ein eigenes Bild.

Was nach der Räumung fotografiert wird

Der leere Raum aus denselben Richtungen, der besenreine Boden, die leeren Nebenräume, Keller und Dachboden, und zum Schluss die übergebenen Schlüssel. Damit lässt sich der Zustand zum Zeitpunkt der Übergabe eindeutig belegen.

Wie Sie die Bilder bekommen

Am selben Tag digital, auf dem Weg, der Ihnen lieber ist: per Nachricht oder per Mail. Die Aufnahmen tragen Datum und Uhrzeit aus der Kamera. Auf Wunsch drucken wir eine Auswahl aus, damit sie an ein Übergabeprotokoll geheftet werden kann.

Wir geben die Bilder nur an den Auftraggeber. Sie werden nicht veröffentlicht und nicht als Referenz verwendet. Nach etwa drei Monaten löschen wir sie, wenn Sie nichts anderes sagen.

Fundstücke und Wertgegenstände

Bei fast jeder Räumung taucht etwas auf, das nicht weg soll: Bargeld in einem Buch, Schmuck in einer Lade, Sparbücher, Urkunden, alte Familienfotos. Wir legen das beiseite, sammeln es an einer Stelle und fotografieren es, bevor wir weiterarbeiten.

Übergeben wird persönlich, bei größeren Funden gegen eine kurze schriftliche Bestätigung. Nichts davon wird angerechnet, verkauft oder behalten. Es gehört Ihnen oder der Verlassenschaft.

Wer die Bilder braucht

Hausverwaltungen brauchen sie für die Abnahme, Erben für die Abrechnung untereinander, Auftraggeber bei einer Zwangsräumung für den Nachweis des Ablaufs. Die Bilder ersetzen aber kein Übergabeprotokoll. Wenn es irgendwie geht, seien Sie bei der Übergabe selbst dabei.

Woran Räumungsfotos in der Praxis scheitern

Licht im Souterrain

Kellerabteile und Souterrainräume haben oft nur eine Glühbirne an der Decke. Der Blitz am Telefon überstrahlt dann den Vordergrund und lässt die Ecken schwarz. Besser ist es, das Deckenlicht einzuschalten, eine zweite Lampe seitlich aufzustellen und von jeder Ansicht zwei Aufnahmen zu machen, eine hellere und eine dunklere. Auf einer der beiden erkennt man später Fugen, Flecken und Kabelreste.

Der fehlende Maßstab

Ohne Bezugsgröße lässt sich auf einem Bild nicht sagen, ob ein Fleck handtellergroß ist oder einen halben Meter misst. Legen Sie einen Zollstock, ein Blatt Papier oder eine Münze daneben, oder achten Sie darauf, dass eine Steckdose, eine Fliesenkante oder die Türklinke mit im Bild ist. Diese Kleinigkeit erspart Ihnen später die Diskussion, ob der Schaden vorher schon so groß war.

Übersicht vor Detail

Die häufigste Lücke sind Detailaufnahmen ohne Zusammenhang. Ein Nahfoto von einer beschädigten Leiste beweist wenig, wenn niemand mehr weiß, in welchem Zimmer und an welcher Wand sie war. Machen Sie darum immer zuerst eine Aufnahme von der Türschwelle in den Raum hinein und erst danach das Detail. Zwei Bilder statt einem, und die Zuordnung bleibt auch nach Monaten eindeutig.

So bauen Sie die Bilderserie auf

Gehen Sie immer denselben Weg: von der Wohnungstür aus im Uhrzeigersinn durch jeden Raum, jeweils von der Schwelle aus, dann Fenster, Boden, Heizkörper und Decke. Nebenräume gehören dazu, also Kellerabteil, Dachbodenanteil, Loggia und der Bereich hinter der Badewanne. Zum Schluss die Zählerstände und der Sicherungskasten. Wenn Sie diese Reihenfolge einhalten, merken Sie schon beim Fotografieren, wenn ein Raum fehlt. Der ganze Durchgang dauert in einer Zweizimmerwohnung etwa zehn Minuten.

Nach dem letzten Weg wiederholen Sie dieselben Standpunkte, damit Vorher und Nachher als Paar lesbar sind. Speichern Sie die Bilder unverändert, ohne Zuschnitt und ohne Filter, denn jede Bearbeitung schwächt den Wert der Aufnahme. Legen Sie einen Ordner pro Adresse an und schicken Sie der Hausverwaltung eine überschaubare Auswahl, nicht zweihundert Dateien. Ob eine Bilderfolge im Streitfall ausreicht, entscheidet nicht der Fotograf, das klären Sie mit der Hausverwaltung oder einer rechtlichen Beratung.

Gut zu wissen

Häufige Fragen

Kostet die Fotodokumentation extra?

Nein. Sie ist bei jedem Auftrag dabei und im Fixpreis enthalten. Sie ist auch für uns nützlich, weil sie zeigt, in welchem Zustand wir das Objekt übernommen und verlassen haben.

Wie lange bewahren Sie die Bilder auf?

In der Regel etwa drei Monate nach der Übergabe, danach werden sie gelöscht. Wenn Sie eine längere Aufbewahrung brauchen, etwa für ein laufendes Verfahren, sagen Sie es uns einfach.

Was passiert mit gefundenem Bargeld oder Schmuck?

Das gehört Ihnen oder der Verlassenschaft und wird persönlich übergeben. Wir sammeln Fundstücke an einer Stelle, fotografieren sie und lassen sich die Übergabe bei größeren Funden schriftlich bestätigen.

Kann ich selbst fotografieren?

Sehr gern, und das ist sogar sinnvoll. Machen Sie Ihre Bilder vor unserem Beginn und nach der Übergabe. Zwei unabhängige Dokumentationen sind bei einer Abnahme mehr wert als eine.

Reichen Bilder vom Telefon oder braucht es eine Kamera?

Ein aktuelles Telefon genügt für alles, was bei einer Räumung dokumentiert wird. Wichtiger als die Kamera sind Licht, ein ruhiger Stand und der eingeschaltete Zeitstempel in den Einstellungen. Nur bei sehr dunklen Kellerräumen lohnt eine zusätzliche Lampe, weil die automatische Aufhellung sonst alles grieselig macht und Details verschluckt.

Was tun, wenn Wochen später ein Mangel behauptet wird?

Suchen Sie die Aufnahme desselben Standpunkts von vor und nach dem Termin heraus und legen Sie beide nebeneinander vor. Zeigt keines der Bilder die Stelle, ist die Lücke ehrlich einzuräumen. Erfundene Sicherheit hilft niemandem. Wie es weitergeht und welche Nachweise zählen, besprechen Sie mit der Hausverwaltung oder einer rechtlichen Beratung.

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